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Materielle Erinnerungen: Zeit und das Kino-Bild
The Cinematic Image
Die Zeit ist eine Erfindung oder sie bedeutet
nichts
(Gilles Deleuze, Das Bewegungs-Bild)
Ich bin der OmniAmerikaner, aus Beats und Blut geboren, dem Konzert
der Sonne unplugged
(Saul Williams, Om Ni American)
Maya Daren sagte vor langer Zeit: Ein Ritual ist eine Handlung,
die sich von anderen dadurch unterscheidet, daß sie ihren Zweck
durch den Einsatz formeller Mittel zu erreichen versucht. Deren
war eine der ersten Filmemachereinnen, die die haitianischen Voudon-Tänze
dokumentierte. Schwarze Koerper, weiße Leinwände ein
Ritual, das in der Form von Besessenheit und Befreiung in Dehrens Projektionen
durchgespielt wird. Die Rhythmen von Fragmentierung und Verlust waren
für sie eine neue Form der Verbreitung, ein neuer Weg, um die optische
Poesie der Amerikas zu erforschen, die sich in den Tänzen der Karibik
wiederspiegelte. Zeit und Kino werden bei Deren zum Tanz, die Rhythmen
zu Altären einer neuen Geschichte, niedergeschrieben in der Sprache
tänzerischer Bewegung. Sie erforschte die Poesie der zum Stillstand
gebrachten Zeit, um ein Ritual aus Rhythmus und Klang zu erschaffen wie
in Ritual in Transfigured Time, Divine Horsemen (ihre Homage and die Loa
aus Haiti) und Meditation on Violence, der die Wu-Tang-Schule des Boxens
untersuchte (nicht die flüssigen Schwerter von Staten Island, sondern
die chinesische, auf dem Buch der Wandlungen1 begründete Kunst).
Jede Kunst leitet sich vom Ritual ab, schrieb Deren. Beim
filmischen Ritual erfasst das nicht nur die räumlichen Begriffe,
sondern auch die zeitlichen, die von der Kamera erschaffen werden.2
Im Objektiv der Kamera wird aus dem Tanz eine rituelle Reflektion der
Realität selbst. Der Film ist Gedächtnis, ein Palast der Erinnerungen,
gebaut aus Gesten, eingefangen auf der unendlichen leeren Leinwand.
Geld ist Zeit, aber Zeit ist nicht Geld. Züge, Flugzeuge,
Autos Menschen, multinationale Konzerne, Monitore
groß und
klein, ob menschliches oder nicht - menschliches
alles steht für
die nahtlose Übereinstimmung von Zeit und Raum in einer Welt, die
sich aus den zergliederten Augenblicken und diskreten, unsichtbaren Transaktionen
zusammensetzt. Bilder pro Sekunde, Pixel pro Quadratzentimeter, Farbauflösung,
gemessen in Millionen von möglichen Kombinationen, all das ist möglich
auf einem Monitor
all diese medialen Repräsentationen brauchen
einen verantwortungsbewussten Fahrer, damit sie bei uns heil ankommen.
Von der Konstruktion der Zeit in einere Welt der Bilder und der Werbung
ist es nur ein kleiner Schritt bis zu jenem Zustand, den der alte Wu-Tang-Song
beschreibt: C.R.E.A.M. Cash Rules Everything Around Me.
Stell Dir das Szenario vor wie den Traum eines schlafwandelnden Surrealisten
übersetzt in einen aktuellen Kontext. André Breton
hat das 1930 so formuliert: die einfachste surrealistische Handlung
besteht darin, mit Revolvern in den Fäusten auf die Straße
zu gehen und blindlings so viel wie möglich in die Menge zu schießen.
Wer nicht wenigstens einmal im Leben Lust gehabt hat, auf diese Weise
mit dem derzeit bestehenden elenden Prinzip der Erniedrigung und Verdummung
aufzuräumen der gehört eindeutig selbst in diese Menge
und hat den Wanst ständig in Schußhöhe.3 Schlafwandle
ruhig mit der gezückten Knarre durch die Malls und Durchfahrtsstraßen
des Informationszeitalters Dein Statement wird noch weniger Sinn
machen als die mediale Berühmtheit, die Du für 15 Minuten erlangst.
Aus dem automatischen Schreiben der Surrealisten wird das
Gangsta-Traumzeit-Remix, vergleichbar mit dem Open Source Betriebssystem
von Linux psychographische Shareware für den freien Markt.
Das Leben als Videospiel auf der Infinity-Ebene, mit einer endlosen Auswahl
an Charakteren. In diesem Spiel wird gefragt: Wer spricht durch
dich? Da sind viele Echos im Betriebssystem, und genau darum geht
es ja. Das Spiel geht weiter. Der Augenblick der Enthüllung ist in
die Handlung eingeschrieben: Du wirst zum Star einer Szene, Dein
Name ist in die Kugeln eingeritzt, die in die Menge gefeuert werden. Sozialdarvinismus
für das Technicolor-Zeitalter. Stell deinen Browser auf Drift-Modus
und lass dich treiben: Der Sequenz ist es völlig egal, was Du machst,
Hauptsache Du siehst zu. Das Jetzt wird zur Methode, um die
verschlüsselten Landschaften der gegenwärtigen postindustriellen
Realität zu erforschen, ein einschläfernder Partikelstrom, eine
situationistische Träumerei, ein endloses Dérive
frage
jeden x-beliebigen Gymnasiasten in den USA, sie werden dir alle das selbe
erzählen.
Die meißten Menschen stimmen der Idee, einer Zeit ohne Abweichung
Newtons Principia von 1687 zu. Mit dem Begriff der absoluten Zeit
benannte er die Vorstellung, daß sich die Welt in einer Weise bewegt,
die nur eine einzige Abfolge von Handlungen zulässt. Jede musikalische
Komposition und jedes Gemälde aus der newtonschen Periode
also ungefähr von 1600 bis 1900 spiegelte einen linearen Zeitverlauf
wieder, ganz so als handele sich um Modelle eines synchronen Universums.
In jeder musikalischen Komposition fand sich nurn je eine Klangfolge für
die Fortschreitungen, auf die alle Noten abgestimmt wurden. In jedem Gemälde
gab es eine Linienführung, die den Blick des Betrachters lenkte und
ihn zwang, eine Perspektive einzunehmen, die alle Objekte synchronisierte.4
Die meisten Darstellungen betrachten diese Form synchronisierter Zeit
als Triebkraftder industriellen Revolution. Sie trieb eine Kultur voran,
die abhängig ist von der vielschichtigen Regulierung der begrenzten
Zeitmengen, die für die Produktion zur Verfügung stehen. Die
synchrone Zeit wurde 1905 endgültig von Einsteins Besonderer Relativitätstheorie
aufgebrochen, was der Physik einen Weg ebnete, den Richard P. Feynman
und andere zu einem späteren Zeitpunkt des Jahrhunderts beschreiten
sollten. Nach Joel Chadabe bestand Einsteins Universum aus einer
Vielzahl von parallelen und asynchronen Zeitschienen.5 Chronos,
der Griechische Gott der Zeit, war ein Kannibale: Er verschlang seine
Kinder und machte das Universum unfruchtbar. Alle Dinge gehen aus der
Zeit hervor, und kehren wieder in sie zurück. Im Herzen Europas:
Chronos, der an der Kreuzung zweier Straßen zum ausrangirten Wegweiser
wird die Vervielfältigung der Zeit gegen die allesverzehrende,
eingleisige Zeit.
Spüre den Millionenschauer des Jetzt, eine Million Ungewissheiten
des gegenwärtigen Moments, eine unendliche Permutation dessen, was
sich im Datennebel des kollektiven Bewusstsein befinden könnte. Wo
habe ich angefangen? Wo aufgehört? Es ist dieser blitzartige Augenblick
der Erkenntnis, ein Weg, die Fragmente der Zeit zu betrachten. Überprüfe:
Visueller Modus Open Source, ein Kinematoskop des Unbewussten:
eine Pistolenkugel, die durch alles hindurchschlägt, so wie ein Doc
Edgerton. E.J.T.Marey oder Eadweard Muybridge die Bilder zum Stillstand
bringt. Analyse: etwas in seine Bestandteile zerlegen. Stop
Motion: Die Waffen gezückt, verwandle die Situation in eine Art neue
Dämmerung
Es ist nur eine Wiedergabe von Bretons Traum
der Surrealismus Intriegenspiel der Mittsommernacht, überprüfe
das Dérive in der 21. situationistischen Szene. Ein Szenario auf
der Leinwand: Kamera Obscura, die Perspektive streift wie entfesselt durch
die Menge, die Waffe gezückt, wild um sich schießend, bis niemand
mehr da ist
wie die New Yorker Polizei, die mit 19 von 41 abgegebenen
Kugeln Amadou Diallo tötete, oder die Kids, die in die Schulen gehen
und ihr unfassbar banales Leben ausleben, in dem sie das ihrer Mitschülhler
beenden. Dies ist das Zeichen der Zeit eine Werbebande in den Symbolen
einer gesetzlosen Welt, irgendein Etwas, an dem man sich festklammern
kann, um dem Ultrastrudel eine Bedeutung zu geben
Oder so ähnlich.
Der surrealistische Moment totaler Freiheit blind um sich schießend
in die Menge zu gehen war eine psychosoziale Kritik an der Reglementierung
von Zeit in der Industriegesellschaft. Wende das Drehbuch, zieh den Code
in die länge: von Friederick Winslow Taylors Principles of Scientific
Management bis zu den stark verkürzten TV-Werbespots des frühen
21. Jahrhunderts Geld ist Zeit, aber Zeit ist nicht Geld.
Ein mathematisches und physikalisches Paradox wurde in das soziale Reich
der menschlichen Beziehungen übertragen und mit ihm ein unheimliches
System der Übereinstimmungen, aus dem sich die Realität, wie
wir sie kennen, zusammensetzt. Was geschähe, wenn der Traum zu Ende
geht? Was, wenn die strahlenden Lichter und Technicolorillusionen, die
unsere Realität zusammenhalten, in einem Strudel atmosphärischer
Störungen hinweggewischt würden? Was täten wir, wenn der
Ort, wo alle Geschichten wohnen, plotzlich verschwänden wie eine
Fata Mogana in der Wüste unserer kollektiven Träume? Während
die expotentiell zunehemende Information da draußen droht, zum einzigen
Bezugspunkt menschlicher Interaktion zu werden, sind dies Fragen die Antwort
fordern. Ich schreibe dies nach einer Woche intensiever Aktivitäten-eine
Reise nach Wachington DC, wo ich mir persönlich einige Apparate angesehen
habe, die das Naval Observatorium benutzt, um die Zeit präzise zu
messen- anhand der Halbwertszeit von Caesiumpartikeln; Bild und Tonspur
wechselt und jetzt bin ich in Austin, Texas, einmal quer durchs Land,
um am Festival der interaktiven Medien SXSW teilzunehmen.Schnitt, Aufblende
eine Woche später, und ich befinde mich im Flughafentransit von Newark
auf dem Weg zum Toronto Music Festival
Das Drehbuch erschließt
sich, während sich die Fragmente mit einander verbinden. Ich betrachte
diese Art des Schreibens gerne als Drehbuchinformation- das Selbst als
Subjekt-in-Synchronisation (die beweglichen Teile aufgereiht
im Sucher eines Andreren), eher als die cartesianische Subjekt-Objekt-Beziehung,
die wir vom 20. Jahrhundert geerbt haben.
Was sind die ontologischen Implikationen einer derartigen Das andauernde
Verhältnis zwischen die Bilder zu gehen, kommt und siegt wird
zum Lied. Verschiebung? Was wird in dierser Art filmischer Zeit
aus dem schöpferischen Akt, und wie stellen wir ihn dar? Seit den
Anfängen des Kinos hat die Musik diese Themen aufgegriffen. Von Birth
of a Nation bis Jazz Singer spukten die unterschiedlichsten Ansätze
zur fragmentierten Zeit duch die Anfänge des Kinos. Oskar Fischingers
Animationen und die Kurzfilme von Man Ray erforschten die neuen Beziehungen
zwischen dem menschlichen Subjekt und den Objekten, die uns umgeben. Als
der Jazz auf der Bildfläche erschiehn, wurden die narrativen Zusammenhänge
immer vertrackter. Kurzfilme wurden eingesetzt, um das Publikum während
der Rollenwechsel zu beschäftigen.
War es ein Blitzen auf dem Radarschirm? Eine fließende numerische
Abfolge? In einem kurzen Zeitraum hat meine Erzählung Format und
Funktion, Zeit und Ort gewechselt sie alle waren Fonts- etwas,
das einen kurzen Moment lang gebraucht wird, um eine bestimmte Ausdrucksform
hervorzuheben, und, natürlich, äußerst geschmeidig ist.
Ich tippe in meinen Laptop hinein, und nicht nur die Art, wie ich schreibe,
sondern auch meine Methode, Worte und Ideen in einen zeitlichen Zusammenhang
zu bringen, verweist noch immer auf die Entwicklung von Textformaten,
die auf dem Konzept eines Anwenders basieren, der sich graphischer Interfaces
bedient. Diese Weltanschauung ist sicher nicht linear. Sie ist ein Produkt
graphischer Benutzeroberfläsche, die von Leuten wie Alan Kay, Douglas
Engelberts und Ivan Sutherland erfunden wurden. Die Programme ermöglichen
es dem Anwender, sich in den Bildschirm hinein zu begeben und mit Icons
und Objekten auf der Bildschirmoberfläche in Interaktion zu treten.
Im Bild, im Ausschnitt- so wird das heute gespielt. Der Zusammenhang wird
zum Metatext, und dem rahmenstiftenten Prozess, von dem dir so unterschiedliche
Leute wie Iannis Xenakis, Kool Keith a.k.a. Dr. Octagon oder Eminem erzählen
können, bringt Friedrich Kittler folgendermaßen aufden Punkt:
Wie hinreichend belegt von Leuten wie Tricia Rose, James Snead und Sherry
Turkle (deren Studie über die vervielfältigenden Auswirkungen
der digitalen Medien auf die Selbst-Repräsentation, The Second Self,
als ein Update von W.E.B. Dubois Kritik am Afro- Amerikanischen
doppelten Bewusstsein gelten könnte), geht es hier um
eine Verlängerung der formalen Implikationen auf den Akt des Ausdrucks
sich ins Bild setzen, ein Bild machen, seinen Namen neu erfinden.
Bewegung, Fluß, Flux, der Nomade übernimmt die sitzende Lebensweise
des Großstädters. Die Bewegung auf der Leinwand wird zur allgegenwärtigen
Eigenschaft.Die absolute Zeit wird zum Geflicker der Traummaschine. Die
Augen bewegen sich. Der Körper verharrt regungslos. Reise, Grosses
Bild, kleiner Ausschnitt was wird hier eigentlich gespielt? Symbol
und Synekdoche, Zeichen und Bedeutung, alles zugleich, die digitalen Codes
werden zur Spiegelung, seitenverkehrte Anordnung der Nation
Manchmal vermittelt man eine Idee am besten in Form einer Geschichte.
An einem späten Herbstnachmittag im Jahre 1896 fimte Georges Mélies
Pariser Menschenmassen, die im Stau steckengeblieben warren. Gerade als
er einen Bus filmte, der aus dem Tunnel kam, klemmte die Kamera. Er versuchte
mehrmals, sie wieder in Gang zu setzen, aber vergeblich. Nach einigen
Minuten funktionierte sie wieder, und das Objektiv erfaste einen vorbeifahrenden
Leichenwagen. Dieser Vorfall blieb unbemerkt, bis Mélies den Film
zuhause entwickelte. In der Projektion schien es, als wäre der Bus
kurzzeitig in einem Leichenwagen verwandelt worden. In diesem actualités
benannten Zeitraum konfigurierten sich reale Zusammenhänge
zu Geschichten, die für den Zuschauer verständlich sind
ein einfaches Öffnen und Schließen der Optik versetzt den Zuschauer
gleichzeitig in mehrere Orte und Zeiten. Fluss, Riss, und Fragmentierung
allesamt nahtlos in die perspektivische Konstruktion des Betrachters
eingebunden und alle äußerst formbar ein Augenaufschlag
und Raum und Zeit, so wie die vorindustrielle Kultur sie kannte, waren
zu Ende.
Wenn immer man ein Bild betrachtet, findet eine rücksichtslose Selektion
statt, die notwendig ist, um ein Gefühl der Ordnung herzustellen.
Das Endprodukt dieser palimpsestischen Wahrnehmung ist eine Kombination
all der Gedanken und Handlungen, die du in den vergangenen Mikrosekunden
ausgeführt hast in einem zeitgenössischen Golem, aber
dieses Mal besteht die imaginäre Kreatur aus dem Wechselspiel fragmentierter
Zeit, Codes, Gedächtnis und Fleisch. Die Augen leiten die Daten durch
zwei Millionen Nervenbahnen an das Gehirn. Abgesehen davon, daß
das Gehirn diese Datenmenge ständig empfängt, muß man
die Millionen Bits an Informationen hinzuzählen, die jeden Augenblick
durch unseren Verstand hindurchfließen, und die außerdem auch
noch koordiniert werden müssen. Die geringste Umleitung, wie der
Leichenwagen und der Bus in Mélies Filmunfall, konnen nicht nur
zu neuen Gedanken führen, sondern zu einer ganz neuen Form des Denkens
- im Wortsinn, nicht fiktiv- betrachte den Meta-Wiederspruch
Damals
zu Beginn des 20 Jahrhunderts, verwies die Form der emotiven Fragmentierung
auf eine Krise der Repräsentation, und es waren Filmemacher, nicht
DJs, denen als erste eine Art subjektiven Ineinanderscheidens der
Erzählungen und Zeiten gelang. Als Präsident Woodrow Wilson
D.W. Griffiths Birth of Nation sah, beschrieb er die mittlerweile
legendäre Verdichtung von Bildern und Erzählsprüngen, die
abwechselnd zusammengefügt und auseinandergerissen werden, folgendermaßen:
Als würde man die Geschichte mit Blitzen beschreiben. Ich frage
mich, was er über Grand Master Flashs Klassiker Adventures of the
Wheels of Steel von 1981 gesagt hätte.
Filmemacher wie Griffith, Dziga Vertov, Oscar Micheaux und Segei Eisenstein
(dessen dialektische Montage eine Art subjektives Gegeneinanderschneiden
der zahlreichen Schichten und Geschichten innerhalb der Geschichten erschuf)
schmiedeten Geschichten für eine Welt, die gerade erst den Schmerzen
des 1. Weltkrieges entronnen war; in einer Welt, die, wie unsere heutige,
zunehmend in Verbindung miteinander trat und voller war Geschichten von
fremden Ländern, Zeiten und Orten. Die Gegenüberstellung erlaubte
nicht nur die Darstellung von Parallelhandlungen, die gleichzeitig in
unterschiedlichen räumlichen Dimensionen ausgeführt wurden,
sondern auch von Parallelhandlungenen, die auf unterschiedlichen zeitlichen
Ebenen angesiedelt waren- im Fall von Birth of Nation vier Geschichten
gleichzeitig- durch die sich der Eindruck der Verdichtung vermittlte,
mit dem diese neue Welt konfrontiert ist. Die Worte, mit denen Griffith
seinen Kompositionsstiel beschrieb Erzählung innerhalb
einer Cadrage, Zwischenschnitt, Parallelmontage-
erschlossen im amerikanischen Sprachraum Neuland. Bekanntermaßen
eingnete sich der Ku Klux Klan den Film für Propagandazwecken an,
und der Widerspruch zwischen kulterellem Standpunkt und technischem Können,
den Griffith in der Filmlandschaft etablierte, spiegelt sich noch heute
in Hollywood wider.
Jazz- Zeit versus Hollywood- Zeit. Zeit.
Die DJ- Mixes arbeiten nach einer ähnlichen Logik: Der Sound wird
immer nach narrativen Gesichtspunkten ausgewählt. Ich denke, so reist
man auf einer Synekdoche. In diesem Vorgang durchstreift man den erzählerischen
Schotter einer Erscheinung, die der Konzeptkünstler Adrian Piper
die indexikalisierte Gegenwart nennt. Ich verwende
diesen Begriff, der indexikalisierten Gegenwart, um die Arbeitsweise zu
beschreiben, mit der ich versuche, den Betrachter dazu zu bewegen, eine
unmittelbare Beziehung mit dem Kunstwerk einzugehen. Ich will ihn zu einem
selbstkritischen Standpunkt bewegen, der ihn ermutigt, sich mit den eigenen
Reaktionen auf das Kunstwerk auseinanderzusetzen.
Bennen, aufrufen, einladen, herunterladen
Während wir den Bildschirm
überquren, enthüllen wir die langsam zerfallenden Bilder verlassener
Ballsäle- eine lyriche Kritik an der Tatsache, dass wir uns nach
wie vor körperlich bewegen und den enormen kulterellen Möglichkeiten
der geographischen und temporalen Gleichzeitigkeit- z.B. die Konstruktion
einer neuen Zeitzone, die aus geographisch weit auseinader liegenden Regionen
besteht. Wir setzen uns mit denselben Vorstellungen auseinander, wenn
wir das Internet benutzen, um unsere Aufmerksamkeit auf eine Welt zu konzentrieren,
die rasent schnell zu etwas wird, was ich als prosthetischen Realismus
bezeichnen Würde. Sicht und Klang, Zeichen und Bedeutung: und wie
bei Griffiths hyperverdichteten, technische weitsichtigen Zwischenschnitten
geht es darum, wie man die Variablen spielt, kann man aus den Erfahrungen,
die man macht, etwas lernen. Wenn nicht, wie Griffith, wird das Medium
zur Bestädigung dessen, was bereits vorhanden ist oder- wie die Kritikerin
Iris Barry vor langer Zeit über Griffiths Intolerance sagte: Die
Geschichte selbst scheint sich wie ein Wasserfall über die Leinwand
zu ergießen
Diese Kritik an der Geschichte ist das,
was Spike Lee in Bamboozled ironisch die Zeit der Farbigen
nannte, oder was Morpheus, verkörpert von Lawrence Fishburne, Neo
in The Matrix fragt;Glaubst du wirklich das ist Luft was du hier
atmest?
Wie ein Akrobat hangle ich mich durch die Topologie des Raums der Codes,
Glyphen und Zeichen, aus denen mein Alltag gewebt ist und ich liebe es,
die Dinge von innen nach außen zu kehren. Mit einer Kultur, die
auf Sachen basiert wie den extrem verkürzten, rasant geschnittenen
Nachrichtenfetzen vom Katastrophenkanal, dem Remix von Eric B and Rakims
Paid in Full, den Ninja Tunes Dance Mogulu Cold Cut mit 7 Minutes of Madness
betitelt, Grandmaster Flashs Adventures on the Wheels of Steel,
den späteren Ausflügen geographischer, kultureller und tempotraler
Ausbreitung wie MP3lit.com die Ästhtik des 21. Jahrhunderts
muß herausfinden, wie man mit den Immersionen umgehen kann, die
wir täglich erfahren.
Eisenstein hat diese Verdichtung 1929 beschrieben, als man ihn über
Reisen und Film befragte. Die hieroglyphische Sprache des Kinos
kann jedes Konzept, jede Klassenvorstellung, jeden politischen oder taktischen
Slogan ausdrürcken, ohne auf die Unterstützung zwielichtiger,
dramatischer oder psychologischer Vergangensheitformen zurückzugreifen.
Beteutet das, daß wir unsere eigenen Filme machen, während
wir sie leben? Reisen ohne Bewegung. Das hätte selbst Aristoteles
unbewegter Beweger nicht für möglich gehalten. Aber
ich sage immer: wer kanns wissen?
Chronos, der allesverzehrende Vater, beobachtet, wie seine Kinder einen
Aufschub der Exekution erhalten, so muss er hungrig bleiben.
Was geschieht, wenn eine Szene nicht länger ein Szenarium ist, sondern
ein Rechenprozess?
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